Ein Ort der Stille

Zwischen Lärchen, Birken und wenigen verbliebenen Obstbäumen wird auf dem talwärts führenden Fussweg das Zwirneli sichtbar, eingebettet in einer sanften Mulde – auffallend das rote Blechdach mit gemauertem Kamin und die fast schwarz gebrannten Schindeln.

Bei der Weggabelung verlangsamen wir unsere Schritte, halten inne und lauschen: das Plätschern des Baches, der Gesang der Amseln, oder einfach nur Stille.

Umfangen in den Rundungen des Geländes, geschützt von riesigen Eschen und Buchen, steht das Zwirneli, freundlich, obgleich etwas zerknittert. Gelände und Gebäude strahlen eine Geborgenheit aus. Auch ohne Fernsicht wird unser Blick weit. Die Zeit scheint still zu stehen, der Alltag mit seiner Hektik bleibt hinter uns.

Das Zwirneli ist nicht nur ein kulturhistorisches Objekt, es ist ein Ort mit einer besonderen Qualität und Ausstrahlung.

Wir treten ins Gebäude, in den ehemaligen Fabriksaal. Der Raum ist nicht zu hoch, noch ganz mit dem alten, unbehandelten Holz ausgekleidet. Seine Atmosphäre empfängt uns, doch sie fordert auch heraus, verlangt Aufmerksamkeit, Wachsamkeit. Eine moderne Infrastruktur fehlt. Wind, Wetter, der Wechsel der Jahreszeiten sind fast ungefiltert spürbar; im Sommer kühl und lieblich, im Winter eisig, innen wie aussen – der Kachelofen ist bei weitem überfordert.

Es ist diese besondere Atmosphäre, die unsere Sinne wacher werden lässt, und die uns den Weg nach innen öffnet, eine Rückkehr zur Stille.

Fotos: Petra Schweiger